vom fragen und reisen

es gab mal einen jungen, der hatte eine frage. und zwar eine ganz spezielle frage, deren beantwortung nicht so ganz einfach ist. zuerst fragte er seine eltern, doch die konnten ihm auch nicht so recht weiterhelfen. sie sagten ihm nur, dass er das selbst herausfinden müsse.

da er die antwort aber nicht wusste, begann er, andere menschen danach zu fragen. anfangs nur seine freunde, dann die bekannten und bald alle menschen die er traf. doch die eine antwort konnte ihm keiner geben. da ihm diese frage aber so über alle maße wichtig erschien, entschied er sich dazu, die antwort zu finden, egel wohin ihn diese suche auch führen möge.

so begann er zu reisen, um immer mehr menschen seine frage stellen zu können. er musste schon bald sein land verlassen, besuchte neue länder, traf neue menschen. er stellte seine frage an könige und bettler, an priester und an wissenschaftler. er schrie sie von den höchsten bergen und in die kältesten schneestürme. er stellte sie in allen sprachen der welt - ja, er ritzte sie sogar in bäume und sang sie in seinen träumen.

ruhelos trieb es ihn immer weiter, viele jahre lang, ohne zu rasten und ohne seine antwort zu finden. aber er würde niemals aufgeben. die antwort auf diese frage war ihm einfach zu wichtig. so wurde der junge über die jahre zu einem mann und hatte nie etwas anderes getan als zu suchen.

bis er schließlich in einem fernen land, von dem er nicht einmal den namen wusste, da es doch nur eines von den vielen war, auf einem berg, von dem er nicht einmal mehr wusste wie er dorthin kam, einem alten mann seine frage stellte. er hatte nicht gezählt, wie oft er dies schon getan hatte, aber da er nichts anderes zu reden hatte und jeden menschen, den er getroffen hatte danach fragte, hörte er kaum richtig hin als der alte sprach: "auch ich war einmal wie du, immer auf der suche nach dieser antwort auf diese ganz spezielle frage. mein leben lang habe ich sie gesucht, doch als alter mann gab ich auf und beendete meine suche. ich wurde sesshaft und werde die jahre, die mir noch bleiben ohne die antwort auf die frage verleben. ich bin nun glücklich hier, darum nahm ich meine suche auch nicht mehr auf, als ich erfuhr, wo ich die antwort finden könne."

erst jetzt wurde der suchende hellhörig, packte den alten und schüttelte ihn, dass er ihm endlich den hinweis gab, den er seit jahren suchte. so erzählte ihm dieser von einem felsen am meer, an dem bei sonnenaufgang, wenn die sonne aus dem meer auftaucht und ihre frischen strahlen auf den dort sitzenden wirft, einem jede frage beantwortet wird. leider wisse er nicht genau, wo dieser fels sei. aber das suchen, das sei er ja bereits gewöhnt.

besessen von der geschichte, begab sich der mann, der einmal der junge war, wieder auf die suche. angetrieben von einem nun klaren ziel reiste er wieder für jahre an den küsten der erde entlang und wurde, ohne es zu bemerken, selbst ein alter mann. doch noch immer hatte er nur die eine frage in seinem sinn, deren antwort zu finden ihn unaufhaltsam antrieb.

so kam er schließlich eines abends, fast schon als greis, in ein dorf, wo man den felsen kannte nachdem er wie schon oft davor fragte. zu erschöpft um sich zu freuen, schleppte er sich an den felsen um dort auf die erste sonnenstrahlen zu warten. es würde seine letzte reise sein, da er nun bald die antwort bekommen würde, da war er sich sicher. so saß er nun auf diesen felsen und rastete das erste mal seit seinem aufbruch. er dachte an die gefahren, die er überlebt hatte und die wunder, die er zu sehen bekommen hatte. aber er dachte auch das erste mal an die opfer, die ihm seine suche gekostet hatte. er hatte nie eine familie oder einen ort, denn er sein zuhause nennen konnte. er hatte nie geliebt, nie ein haus gebaut, nie das lachen eines eigenen kindes gehört.

aber dafür würde er jetzt endlich die antwort bekommen. der horizont färbte sich schon blau und die sonne schickte ihr licht durch das wasser welches sich über die erde krümmte. gleich würde er seine frage, deren antwort zu finden er vor vielen jahren als kleiner junger auszog, für die er seine familie und freunde verließ, dem endlosen meer entgegenschreien:

"was soll im leben aus mir werden? was soll mein ziel sein?"

doch als sich die sonne endlich soweit aus dem meer erhob, dass ihre strahlen den felsen treffen konnten, war der junge, der sein ganzes leben lang nur gesucht und nie gelebt hatte bereits aus dieser welt getreten. es sollte tatsächlich seine letzte reise gewesen sein, aber sein ziel erreichte er nicht mehr.


ältere texte:
charisma - 7. Feb, 16:22

deine geschichten sind nicht nur schön, sie sind fesselnd und tiefsinnig
einfach toll! mach da was draus, unbedingt!!
ich mag deine geschichten
danke und liebe grüße!

all_about_d - 5. Mrz, 22:02

vielleicht ist einfach der weg das ziel. vielleicht sollten wir einfach mal aus dem bauch raus eine richtung bestimmen und losmarschieren. meinst du nicht?

schöne geschichte übrigens, hat mir gut gefallen!







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Zuletzt aktualisiert: 26. Okt, 15:52


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