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The Last Question

("Wenn Sterne erlöschen" - Isaac Asimov, 1956)

Die letzte Frage wurde halb zum Scherz das erste Mal am 21. Mai 2061 gestellt, zu einer Zeit, als die Menschheit zum erstenmal einen Schritt auf das Licht zu machte. Bei Whisky mit Soda war um fünf Dollar gewettet worden; die Frage tauchte dabei als Ergebnis auf, und es trug sich wie folgt zu:

Klischee-Alarm!

Kaum 20 Minuten war ich aus dem Haus, um beim Supermarkt um die Ecke Lebensmittel und Rohrfrei zu kaufen, noch nicht ahnend, was für eine Wende dieser Tag noch nehmen sollte.

An der Kasse beim Lidl fiel mir beim schnellen Einpacken meiner Sachen die Sahne runter (wobei man aber NIE so schnell wegpacken wie die Verkäuferinnen einscannen. NIE! Dafür warten sie dann gnädig bis man fertig ist mit einpacken, um ENDLICH zu kassieren, damit die anderen WARTENDEN Kunden auch viel zu LANGSAM ihr gescanntes Zeug von der Kassen entfernen) und platzte auf. Ich hab mich aufgeregt, aber wie sollte ich ahnen, was dieser Tag noch mit sich bringen wird.

Beim nach Hause schleppen der Einkaufstüte fällt mir ein, dass ich das Spüli vergessen habe - Argh! Was für ein Tag, dachte ich, und machte mir keine Gedanken darüber, wie schnell sich im Leben alles zum schlechteren wenden kann.

Ich komme also um die Ecke zu dem Haus, in dem ich wohne - und sehe direkt davor die Feuerwehr stehen! Der Leiterwagen fährt gerade seine Leiter aus, andere machen sich am Gerätewagen zu schaffen. FEUER! denke ich, Zorn der Götter! Fast mein ganzer weltlicher Besitz ist in diesem Haus, nur darauf wartend, den Flammen zum Fraß vorgeworfen zu werden!

Ich sehe mich schon durch die Flammenhölle zu meiner Wohnung hindurch kämpfend, um dort bei dem Versuch, meine wertvollsten, persönlichsten Besitztümer mit der eben gekauften Sahne vor dem Feuer zu retten - als mir die weiße Pfütze bei der Kasse im Lidl wieder einfällt.

Ich lasse den Plan fallen und frage einen der mittlerweile ziemlich vielen Schaulustigen, was denn hier eigentlich los sei, wo es brennt und wo sie vorhaben, die zahlreichen Brandleichen aufzuhäufen.

Man sagt mir, dass die Katze der alten Frau aus dem ersten Stock auf einen Baum geklettert ist und nicht mehr herunter kann. Im selben Moment sehe ich, wie die Gondel der Drehleiter mit den zwei mutigen Feuerwehrmännern (einer trägt eine Kettensäge) den Baum erreicht. Gleichzeitg saust etwas kleines, schwarzes, miauendes vom Baum herunter und auf dem Baum daneben wieder hoch.

Von der Vitalität der Katze überzeugt entscheidet das Feuerwehr-Einsatz-Kommando, diesen Einsatz als erfolgreich abzustempeln und rückt wieder ab. Auf dem kurzen Weg zur Straße schmeißen kleine Mädchen aus Dankbarkeit bunte Blumen vor die Räder des Leiterwagens.

Wie können diese Männer nur jede Nacht ruhig schlafen?
_____________

Ich dachte es wäre ein Klischee, aber die Feuerwehr rückt tatsächlich aus, um Katzen aus Bäumen zu retten. Wie heiß ist das denn bitte?!

Sonnenkonserve

Ich habe mir heute eine Tupper-Dose der neuen Generation gekauft. Die kann nicht nur Frische erhalten und Schimmel draußen halten, sondern man kann da auch Sonne reintun.

Zu aller erst braucht man einen Tag von der Sorte, wie wir sie jetzt seit einiger Zeit genießen dürfen. Am besten funktioniert das Befüllen in einem Biergarten, auch Balkone und eine Wiese mit Blumen drauf sind gut geeignet.

Da stellt man dann die Tupper-Dose der neuen Generation hin, macht den Deckel auf und legt sich daneben. Bis so eine Dose voll ist (besonders die großen, für die Vorratshaltung), kann manchmal ganz schön lange dauern. Aber nicht ungeduldig werden! Tipp: ein kühles Bier kann die Wartezeit angenehm verkürzen.

Ist die Dose voll, Deckel darauf und das ganze luft- und vor allen lichtdicht verschließen. Sonne in der Dose hält sich im Kühlschrank locker 3-4 Wochen, die Standardgröße reicht für 8 bewölkte Tage oder 3 Regentage ohne Nebel.

Vorsicht beim Gebrauch! Überdosierung kann zu Sonnenbrand und Suchterscheinungen führen.

11:06 uhr

ein helles großraumbüro mit ein paar schreibtischen. an der wand hängt ein bild von einem eisberg mit der unterschrift "wahre größe liegt unter der oberfläche". zwei oder drei zimmerpalmen mit eigener gießkanne. im radio spielt gong fm und der moderator macht einen witz über das wieder mal schlechte wetter, eine der frauen an den computern lacht leise. man erwartet irgendwo eine diddl-maus, aber es ist keine da.

plötzlich springt die tür auf, explodiert regelrecht. ein mann steht in der tür, er ist unrasiert und macht den eindruck, als hätte er schon lang nicht mehr geschlafen. sein eingefallenes gesicht lässt ihn viel älter wirken als er es tatsächlich ist.

die beamtinnen sind starr und stumm vor schreck. das radio schreit in die stille. der mann kneift die augen zusammen und nimmt die beamtin, die ihm am nächsten sitzt, ins visier. mit mächtigen schritten kommt er auf sie zu. zitternd erwartet sie was passieren wird.

"OK," schreit sie seine kehlige, heisere stimme an, "ALSO HABT IHR ES ENDLICH GESCHAFFT! IHR KÖNNT MICH MAL! ICH SCHMEISS DEN GANZEN SCHEISS HIN!"

sie weiß kaum wie ihr geschieht. was will dieser mensch?

"aber eines sage ich euch! irgendwann wird ein mann kommen, den ihr nicht klein bekommt, der diesen saustall verdammt nochmal aufräumen wird! hier habt ihr hunde meine marke und meine waffe!"

mit diesen worten knallt er die sternförmige marke mit seiner geballten wut auf den tisch, eine der zacken bricht ab. als er seine dienstwaffe aus seinen mantel hervorzieht, wird die beamtin bleich. die riesige magnum knallt mit einer wucht auf den tisch, dass die schreibtischlampe zu flackern beginnt. sie schlägt eine große delle in die tischplatte. ein leicht beißender geruch von schießpulver macht sich breit - diese waffe wurde oft benutzt.

"aber... aber..." sie muss ihre stimme erst überreden, sich auf ein hörbares niveau zu begeben. "WAS?!" brüllt er ihr ins gesicht, speicheltropfen landen auf tisch und waffe.

"das... das... hier ist die studentenkanzlei - und außerdem, studenten haben keine dienstwaffe!" er durchbohrt sie mit seinen blick. sein mundwinkel zuckt leicht. soll das ein lächeln gewesen sein?

"haben sie nicht?" er nimmt sich die waffe in der größe einer kanone und steckt sie wieder in seinen schmuddeligen mantel zurück.

"dann bräuchte ich bitte die exmatrikulationsbescheinigung, für die kindergeldkasse." sie reicht sie ihm.

"ausgezeichnet." er dreht sich um, steigt über die eingetretene tür und verlässt das büro. das radio spielt gerade "ich will doch nur spielen".

alles klar

eigentlich habe ich diesen text für insomnia geschrieben, aber mein blog will ja auch gefüttert werden. einen ähnlichen text habe ich vor einer weile schon einmal geschrieben.

wer sich die mühe machen will und diesen text liest, findet das dazugehörige lied (als legalen download) hier:

"the charlatans - alles klar"



heute nacht saß ich, wie in den meisten nächten, an meinem schreibtisch, an meinem computer, und flog durch die tiefen und untiefen des internets. das große zimmer einzig erleuchtet durch das schwache, blaue schimmern des bildschirms. es brannte kein licht, denn als ich versank war es noch hell draußen und es kam genug licht durch das große dachfenster über meinem schreibtisch hinein.

der browser zeigt seiten fremder und eigener blogs, seiten mit fotographien und seiten, die die nachricht vom tod des pontifex in die welt tragen. ich komme hier und dort hin, bleibe hängen, schwimme weiter, immer auf der suche nach etwas um noch nicht schlafen zu gehen, das morgen noch etwas länger hinauszuschieben.

dieses eine lied läuft zum ungezählten male im repeatmodus über meine kopfhörer, es heißt "alles klar" und hat keinerlei text, na das sagt doch schon was aus. "alles klar", nein, es ist nicht alles klar. aber das lied, das mag ich. lieder ohne text hatten für mich schon immer was, vielleicht weil ich selbst ein mensch ohne viel text bin.

ohne recht zu wissen, wohin ich noch surfen soll klicke ich umher und bin mit den gedanken schon längst offline. meine blicke schweifen durch mein zimmer, bleiben hier und dort hängen, an stellen, die mit guten wie schlechten erinnerungen verlinkt sind. die zeit ist reif dieses zimmer endgültig zu verlassen, nur weiß ich nicht ob ich es bin.

mein blick bleibt haften an dem dachfenster über meinem schreibtisch. es ist eine klare nacht, man kann oben die sterne sehen und unten die paar lichter der stadt. ich stehe auf um direkt unter dem fenster zu stehen und blicke nach oben, so dass mein gesamtes blickfeld nur noch den nachthimmel erfasst, der mit der höhe dunkler und sternenreicher wird. ein gefühl der leichtigkeit ergreift mich, meine augen werden feucht.

ich öffne das fenster und nach den stunden in diesem zimmer strömt eine unglaublich frische und kühle luft herein, ich bekomme eine gänsehaut an den bloßen armen ohne zu frieren. den kopf im freien ziehe ich diese luft tief in meine lungen ein und spüre, wie sich die leichtigkeit ausbreitet, spüre wie sie aus meiner mitte kommend in die füße kriecht, in die arme, kribbelnd in den fingern ankommt.

ich giere nach mehr dieser frische, klettere auf den fenstersims. der kalte nachtwind bläst von links kommend über mein gesicht. leicht bin ich. oben leuchten die fernen sonnen. langsam klettere ich hinaus auf das steile dach, kann mich kaum halten. auf allen vieren erklimme ich die wenigen meter bis zum giebel, richte mich auf und blicke auf die stadt, die sich unter mir ausbreitet. ferne lichter aus fernen fenstern in denen ferne menschen sitzen, viele tausend.

über mir die nahen sterne klettere ich den letzten meter auf den kamin, aus dem keine wärme mehr aufsteigt. ich blicke hinauf, lasse den blick schweifen. ich bin so leicht.

der kühle wind greift mir unter die ausgestreckten arme, ich sehe an mir herab, stehe auf zehenspitzen, aber sie berühren den kamin schon nicht mehr. ein kleines abstoßen, nicht springen, abstoßen!, genügte. leicht lege ich mich in die brise und lasse mich tragen.

ohne gewicht steige ich höher, segle, selbst ein segel, durch die nacht. unter mir die straße, ich sehe eine gruppe lachender menschen ohne dass sie micht bemerkt. schwebend komme ich an einem hohen dachfirst vorbei, oben an der höchsten stelle sitzt eine katze und beobachtet dinge die ich nicht sehe. sie ist schwarz, natürlich, wie es nachts alle katzen sind. sie schaut mir kurz hinterher, lässt sich aber nicht von mir stören und beobachtet weiter.

ich schlage mit den armen, werde schneller und schwimme durch die luft, über die stadt hinweg. in ihrer mitte steht eine kirche, ihr turm ist das einzige gebäude, das noch höher ist als ich gerade fliege. ich blicke nach oben und bin schon dort, halte mich an der obersten spitze fest. ich frage mich, wann dieses metall das letzte mal von menschen berührt wurde.

in den leuchtenden tälern der straßen ist ruhe eingekehrt, ein einzelnes auto fährt dort drüben noch nach hause. ich kenne die straßen auch im dunklen, bin auf ihnen in den kindergarten gegangen, zur schule, zum zahnarzt, zu freunden und freundinnen. ein paar meter unter mir fliegt eine fledermaus durch die nacht, sie landet in einem der obersten kirchturmfenster.

ich schüttele kurz, unbewusst, den kopf und schaue senkrecht nach oben. diesmal stoße ich mich mit aller kraft von dem dach ab, nehme meine hände zu hilfe in dem ich mich zusätzlich an der wetterfahne hochziehe. der gegenwind rauscht mir in den ohren, so schnell fliege ich senkrecht nach oben davon. der kurze blick nach unten zeigt nur noch die leuchtenden umrisse der stadt, aber auch sie werden schnell kleiner. die luft wird kälter und ich schmecke die feuchtigkeit einer wolke auf den lippen, durch die ich hindurchgleite.

das rauschen in den ohren wird leiser, da kaum noch luft da ist, die es verursachen könnte. ich ziehe die arme hoch, mit den handflächen in flugrichtung, wie man es beim schwimmen tut wenn man schnell anhalten will. und ich bleibe stehen. unter mir erstreckt sich die riesige kugel der erde, ich sehe wie sie sich wölbt.

sie ist dunkel, abgesehen von den schwachen lichtern einiger großstädte. etwas entfernt sehe ich die tag-nacht-grenze, wie sich ein neuer tag langsam heranschiebt. doch das ist alles nicht mehr wichtig, meine ziele liegen woanders. darum reiße ich meine blicke von dieser welt los und blicke in die andere richtung: diese schwarze endlosigkeit, diese strahlenden sterne, die hier so viel überwältigender aussehen als von dort unten. welche geheimnisse mag dieser raum verbergen, die jede vorstellungskraft bei weitem überschreiten mögen? und was liegt hinter ihm? ich schließe die augen, sammle meine kräfte für das, was vor mir liegt.

als ich sie wieder öffne sehe ich noch immer die sterne. doch ich stehe unter diesem kleinem dachfenster in diesem kleinen haus in dieser kleinen stadt auf diesem kleinem runden ding.

ich seufze kurz, gehe zurück an den schreibtisch und schreibe auf was ich in dieser nacht alles erlebte.

vom fragen und reisen

es gab mal einen jungen, der hatte eine frage. und zwar eine ganz spezielle frage, deren beantwortung nicht so ganz einfach ist. zuerst fragte er seine eltern, doch die konnten ihm auch nicht so recht weiterhelfen. sie sagten ihm nur, dass er das selbst herausfinden müsse.

da er die antwort aber nicht wusste, begann er, andere menschen danach zu fragen. anfangs nur seine freunde, dann die bekannten und bald alle menschen die er traf. doch die eine antwort konnte ihm keiner geben. da ihm diese frage aber so über alle maße wichtig erschien, entschied er sich dazu, die antwort zu finden, egel wohin ihn diese suche auch führen möge.

so begann er zu reisen, um immer mehr menschen seine frage stellen zu können. er musste schon bald sein land verlassen, besuchte neue länder, traf neue menschen. er stellte seine frage an könige und bettler, an priester und an wissenschaftler. er schrie sie von den höchsten bergen und in die kältesten schneestürme. er stellte sie in allen sprachen der welt - ja, er ritzte sie sogar in bäume und sang sie in seinen träumen.

ruhelos trieb es ihn immer weiter, viele jahre lang, ohne zu rasten und ohne seine antwort zu finden. aber er würde niemals aufgeben. die antwort auf diese frage war ihm einfach zu wichtig. so wurde der junge über die jahre zu einem mann und hatte nie etwas anderes getan als zu suchen.

bis er schließlich in einem fernen land, von dem er nicht einmal den namen wusste, da es doch nur eines von den vielen war, auf einem berg, von dem er nicht einmal mehr wusste wie er dorthin kam, einem alten mann seine frage stellte. er hatte nicht gezählt, wie oft er dies schon getan hatte, aber da er nichts anderes zu reden hatte und jeden menschen, den er getroffen hatte danach fragte, hörte er kaum richtig hin als der alte sprach: "auch ich war einmal wie du, immer auf der suche nach dieser antwort auf diese ganz spezielle frage. mein leben lang habe ich sie gesucht, doch als alter mann gab ich auf und beendete meine suche. ich wurde sesshaft und werde die jahre, die mir noch bleiben ohne die antwort auf die frage verleben. ich bin nun glücklich hier, darum nahm ich meine suche auch nicht mehr auf, als ich erfuhr, wo ich die antwort finden könne."

erst jetzt wurde der suchende hellhörig, packte den alten und schüttelte ihn, dass er ihm endlich den hinweis gab, den er seit jahren suchte. so erzählte ihm dieser von einem felsen am meer, an dem bei sonnenaufgang, wenn die sonne aus dem meer auftaucht und ihre frischen strahlen auf den dort sitzenden wirft, einem jede frage beantwortet wird. leider wisse er nicht genau, wo dieser fels sei. aber das suchen, das sei er ja bereits gewöhnt.

besessen von der geschichte, begab sich der mann, der einmal der junge war, wieder auf die suche. angetrieben von einem nun klaren ziel reiste er wieder für jahre an den küsten der erde entlang und wurde, ohne es zu bemerken, selbst ein alter mann. doch noch immer hatte er nur die eine frage in seinem sinn, deren antwort zu finden ihn unaufhaltsam antrieb.

so kam er schließlich eines abends, fast schon als greis, in ein dorf, wo man den felsen kannte nachdem er wie schon oft davor fragte. zu erschöpft um sich zu freuen, schleppte er sich an den felsen um dort auf die erste sonnenstrahlen zu warten. es würde seine letzte reise sein, da er nun bald die antwort bekommen würde, da war er sich sicher. so saß er nun auf diesen felsen und rastete das erste mal seit seinem aufbruch. er dachte an die gefahren, die er überlebt hatte und die wunder, die er zu sehen bekommen hatte. aber er dachte auch das erste mal an die opfer, die ihm seine suche gekostet hatte. er hatte nie eine familie oder einen ort, denn er sein zuhause nennen konnte. er hatte nie geliebt, nie ein haus gebaut, nie das lachen eines eigenen kindes gehört.

aber dafür würde er jetzt endlich die antwort bekommen. der horizont färbte sich schon blau und die sonne schickte ihr licht durch das wasser welches sich über die erde krümmte. gleich würde er seine frage, deren antwort zu finden er vor vielen jahren als kleiner junger auszog, für die er seine familie und freunde verließ, dem endlosen meer entgegenschreien:

"was soll im leben aus mir werden? was soll mein ziel sein?"

doch als sich die sonne endlich soweit aus dem meer erhob, dass ihre strahlen den felsen treffen konnten, war der junge, der sein ganzes leben lang nur gesucht und nie gelebt hatte bereits aus dieser welt getreten. es sollte tatsächlich seine letzte reise gewesen sein, aber sein ziel erreichte er nicht mehr.


ältere texte:

schneemann

es begab sich einmal, dass so um die weihnachtszeit, wenn die gärten mit schnee und lichterketten geschmückt sind und es aus den häusern nach kaminfeuern und plätzchen duftet, ein schneemann sich seiner lage bewusst wurde.

dieser schneemann war ein ganz besonders schöner, bei dessen bau sich jemand wirklich mühe gegeben hatte. drei kugeln, die größte natürlich ganz unten und die kleinste gab den kopf, eine karotte als seine lange nase und um den hals trug er sogar einen schal, den die menschen nicht mehr brauchten. zwei stecken dienten als seine arme und aus kohlestücken waren seine zwei schwarze augen und sein mund, der tagsüber immer lächelte.

jetzt aber lächelte er nicht, denn als er durch das fenster das bunte treiben der menschenfamilie sah und wie sie sich aneinander erfreuten musste er feststellen, dass er der einzige schneemann in seinem garten war. er war allein und keine anderen schneeleute waren weit und breit zu sehen.

"so gefällt mir das nicht", dachte der schneemann, "dann muss ich eben in den nachbarsgärten suchen." sprachs und verliess seinen platz, den er noch nie verlassen hatte seit er gebaut wurde. schnell war er im garten nebenan, aber hier war der schnee völlig unberührt, auch hier gab es keine schneeleute. so ging er in den nächsten garten und in den nächsten, immer weiter, die halbe nacht lang, bis er plötzlich ein stück entfernt den typischen umriss erkennen konnte, wie nur schneeleute ihn haben.

schnell war er dort und sagte "hallo gefährte", ohne eine antwort zu bekommen. da der schneemann noch dachte, er sei von hinten an seinen neuen gefährten herangekommen, ging er um ihn herum und musste feststellen, warum er keine antwort bekommen hatte: anscheinend hatte die erbauer die lust verlassen, dann alles was da stand waren drei aufeinander getürmte schneebälle, ohne gesicht und arme, ohne eine karotte als nase und ohne einen schal um den hals, wie sich das für schneeleute gehören würde.

der schneemann war nun sehr traurig und wollte schon wieder nach hause in seinen eigenen garten gehen. aber er wünschte sich so sehr nicht mehr alleine zu sein, dass er beschloss, dem halben schneemann zu helfen. er sagte sich: "ein jeder schneemann braucht doch stecken als arme, wie soll er sich sonst auch seinen schal binden und sich an seiner karotte kratzen können." da er aber in dem ganzen garten nur kleine büsche fand, die nicht die richtigen äste für schneemannarme geben konnten, nahm er seinen rechten steckenarm, der schon immer etwas zu lang war, brach ihn auseinander und hatte so zwei arme daraus gemacht, die er seinen gefährten in die seite steckte.

doch noch immer war dieser nicht mehr als drei stumme aufeinander getürmte schneekugeln. "na klar", sagte sich der schneemann, "warum sollte er auch ins leben kommen, wenn er ohne einen schal frieren würde und ohne eine karottennase nicht die festlichen düfte aus den häusern der menschen riechen kann." sprachs und band ihm mit seinem verbliebenem arm seinen alten schal um. danach nahm er die karotte aus seinem gesicht und steckte sie seinem zukünftigen gefährten in das gesicht.

aber er wollte noch immer nicht zu leben beginnen. der schneemann überlegte hin und her, bis er schließlich rief: "aber klar, ihm fehlt doch das wichtigste! warum sollte er denn ins leben kommen, wenn er keinen mund zum lachen hat und keine augen, um zu sehen wie schön die verschneiten gärten in der nacht im mondlicht leuchten!" voller eifer nahm er also die kohlestücke, die sein mund und seine augen waren, um sie seinem gefährten als gesicht dienen zu lassen.

und endlich erwachte der schneemann zum leben. zum ersten mal reckte und streckte er seine neuen glieder, musste nicht frieren dank seines schals und roch zum ersten mal den plätzchduft aus den hell erleuchteten häusern.

doch alles was er mit seinen neuen augen sehen konnte war ein leerer garten, wo irgendjemand drei schneekugeln aufeinander getürmt hatte.

steh auf und folge mir

steh auf und folge mir, springe nicht sondern stoße dich ab, fliege, flüchte, folge, vergiss was war, komm mit, aus dem alltag, raus, höher, schneller, schau zurück, das haus, in dem du lebst, es wird kleiner, wird eines von vielen, deine stadt, hell erleuchtet in dieser nacht, siehst immer mehr von ihr, steigst höher, die lichter rücken zusammen, werden eins, neue lichter, neue städte tauchen am flüchtenden horizont auf, man kann so weit sehen? die luft um dich wird klarer, freier, kälter aber dich friert es nicht, sondern du steigst weiter, unbeirrt, blickst wieder nach vorne, siehst die wolken, die bollwerke deiner welt oder waren sie doch nur die wächter deines gefängnisses? doch es ist egal, du tauchst in sie ein, sie sind naß und kalt, aber schon bald hast du sie hinter dir, vergessen, vergangenheit, schaust auf sie zurück, die sie die unüberwindlichen waren für so lange, fliegst weiter, kannst deine ganze welt sehen, riesig, groß, immer kleiner, war das alles? du drehst deine blicke davon weg, nach vorne und erschrickst.

denn du bist frei, frei, frei im raum der alles ist, der keine grenzen kennt, keine zeit, kein oben, kein unten, kein falsch, kein richtig, kein nah, kein fern, der einfach ist. du siehst die sterne, milliarden, wer hat sie geschaffen, was war vor ihnen was wird nach ihnen sein? du siehst die sonne, du hast sie jeden tag gesehen, aber jetzt siehst du sieh als einen der sterne, mehr nicht, nicht weniger, du beginnst zu begreifen, aber wir haben noch einen langen weg.

die reise geht weiter, schneller ohne dass du es merkst, vor dir der mond, größer werdend, mächtig, doch schon vorbei, schneller, schon siehst du ihn nicht mehr. es kommen größere planeten, so schnell, du tauchst einfach durch sie hindurch, wirst immer noch schneller, nie hat sie jemand vor dir so gesehen, aber sie sind doch nur blitze in deiner wahrnehmung, so kurz, sind sie geschehen? noch immer wirst du schneller, lässt alles hinter dir, planeten, galaxien, es sind so viele, alles wird kleiner, immer kleiner wie die lichter deiner stadt, doch es kommen keine anderen lichter mehr, alles ist nur noch ein kleiner heller punkt doch du hältst nicht an, fliegst weiter, weiter.

der helle punkt ist weg, es ist schwarz um dich, so schwarz, dunkel, es ist eine wand, die dich bedrängt, einengt, doch jetzt weißt du es besser, du weißt es, es ist keine enge, es ist der raum in dem alles ist, der keine grenze kennt.
und du schließt die augen, siehst das schwarz, das dunkel, das du immer siehst wenn du sie schließt, aber diesmal weißt du, was es wirklich ist.

wir sind da.







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Zuletzt aktualisiert: 26. Okt, 15:52


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